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Freitag, 19. Juni 2009

Politische Satire, ja?



Mathias Richlings Scheibenwischer-Nachfolger Satire Gipfel ist so etwas wie das intellektuell-politische Feigenblatt der ARD. Er soll wohl dem Eindruck vorbeugen, unter Unterhaltung könne man sich im öffentlich-rechtlichen so gar nichts anderes als Volksmusik und Blödel-Quizshows mehr vorstellen.

Blöd nur, wenn sich wie in der gestrigen Folge Fauxpas einschleichen, die die Sendung dort, wo Scheibenwischer einfach nur nicht lustig sein konnte, auf peinliche Weise billig gemacht wirken lassen. Dabei hätte das Fettnäpchen, in dem Richling zu Beginn des Gipfels herumwatete, jedem, der während des Europawahlkampfes in Deuschland verweilte, hätte auffallen müssen.
Gerade war er dabei, über die SPD herzuziehen, was ja mittlerweile ungefähr so ist, wie auf einen Boxer einzudreschen, der schon seit drei Runde bewusstlos in den Seilen hängt, als er auf die Euro-Kampagne der Partei zu sprechen kam: Unter dem Slogan könne sich doch keiner was vorstellen, "Wir in Europa", was soll das denn sein, dieses wir, kann man das kaufen?

Wen die Frage wirklich interessiert, der kann ja mal bei der CDU nachfragen. Deren Kampagne war das nämlich. Und nicht die der SPD.
Dass Richling das nicht wusste, als er sich sein Programm ausdachte oder nicht bemerkte, als er es von seinem Schreiberling vorgelegt bekam wirft ein kein gutes Licht auf seine Kompetenz in Sachen aktuelle Politik. Als Leiter eines Gipfels für politische Satire sollte das eigentlich ein bisschen anders ausschauen.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Pilawas große Weltreise: Schöne Grüße aus dem malerischen Niveau-Tal

Seit dem 10. Juli verwöhnt uns die ARD für drei Donnerstage mit Pilawas großer Weltreise, wie der Name verrät präsentiert von Günther Jauchs schlechterem Zwillingsbruder. Schon das Format lässt dabei jegliche Fantasie vermissen, wie beim Promiminigolf und der Naturwundershow sitzen eine Menge B-Prominenter herum, die dieses Mal an Multiple-Choice-Fragen zu den unterschiedlichsten Ländern mittlere Zurechnungsfähigkeit beweisen.
Das will man schonmal eher nicht anschauen respektive mit seinen Gebührengeldern finanziert wissen.

Der Grund, warum die Große Show der Naturwunder in Ordnung geht und Pilawas Krampf nicht, ist folgender: Bei Ersterem stellt sich durch die Fragen und Beiträge noch ein gewisser Lerneffekt ein, während selbiger, soweit bei Pilawas großer Weltreise vorhanden, zunichte gemacht wird durch eine wahre Schwemme von flachen Klischees, mit denen die Show an allen Ecken aufwartet. Beim Thema Brasilien kommt man ums Verrecken nicht um halbnackte Sambatänzerinnen herum, die zu hinlänglich bekanntem pseudo-brasilianischem Popmüll mit den Hintern wackeln, zu Dubai fällt nichts interessanteres wie Mega-Einkaufszentren ein und eine Frage zur Türkei lädt zu Spekulationen über die Kleiderordnung in Moscheen ein. Die Redakteure des Ersten haben es konsequent vermieden, neuen Boden zu betreten und damit jede Chance ausgemerzt, dass unsereins hinterher mehr wissen könnte als zuvor.

Ob es der imaginäre Auslandsaufenthalt ist oder Folgen von Pilawas dummem Gequatsche, die Online-Leute von DasErste.de scheinen auch schon die ersten Spuren davongetragen zu haben:

Sonntag, 6. Juli 2008

Hot or not? Master & Commander - Bis ans Ende der Welt

Gestern Abend gabs auf RTL Master & Commander - Bis ans Ende der Welt zu sehen. In der Romanadaption von 2003 wird die Jagd des englischen Kriegsschiffes HMS Surprise auf ein ihr überlegene französische Kaperschiff nacherzählt, was auf eine bestimmte Weise auch als sinnbildlich für das Schicksal des Filmes angesehen werden kann, der dem Fluch der Karibik-Hype ausser innerer Werte seinerzeit nichts entgegenzusetzen hatte.

Denn gerade was vor allem den beiden letzten Teilen der Piraten-Trilogie vorgeworfen wird umschippert Master & Commander bravourös. An keiner Stelle wirkt der Film überladen oder pathetisch, stets ist der Kurs auf den finalen Zusammenprall mit der französischen Acheron gesetzt. Dabei werden bemerkenswerterweise zu keiner Zeit die Gegner diabolisisert. Protagonist Captain Aubrey versteht die am Anfang stehende Attacke auf sein Schiff nüchtern als taktischen Schachzug, und führt auch die Verfolgung der Acheron als solchen aus, so dass keiner der Parteien die Rolle des Aggressors zu Eigen wird. Auch steht der Kampf nicht im Vordergrung, vielmehr erhält sich die Spannung durch die Konflikte der Individuen auf dem Mikrokosmos Schiff: Da wäre der Arzt, der seine Forscherambitionen in Sichtweite der Galapagos-Inseln den taktischen Interessen das Kapitäns opfern muss, die Seeleute, deren abergläubische Schuldzuweisungen einen jungen Offizier in den Selbstmord treiben, oder die Enscheidung des Kapitäns, den gebrochenen Mast zu kappen, um ein Kentern des Schiffes zu vermeiden, obwohl ein über Bord gegangener Matrose noch mit aller Macht versucht, den rettenden Masten zu erreichen.

Master & Commander ist bildgewaltig, sieht aber trotzdem realistisch aus, fesselt, ohne zu dick aufzutragen und ist intelligent, ohne langweilig zu sein. Ich persönlich mag das Genre und finde den Film dank den obigen Tugenden auf jeden Fall

HOT!

Freitag, 4. Juli 2008

Krieg und Friedman

Manchmal, wenn ich zu später Stunde durch die hinteren Kanäle zappe, abwechselnd aufgefordert, unglaublich hässliche , aber angeblich auch unschätzbar wertvolle Ringkollektionen für 39 Euro oder obszöne Klingeltöne im Jamba-Sparabo zu erstehen, bleibe ich an einer Sendung auf N24 hängen.
Sie fällt stets dadurch auf, dass sich ein vermeintlicher Talkgast gerade ausgesprochen lautstark und aggressiv über einen anderen Gesprächsteilnehmer herfällt. Nach genauerer Betrachtung stellt sich heraus: der Talkgast ist gar kein Talkgast sondern Michel Friedman, Moderator, und es geht die ganze Zeit so weiter. Nach bester Hollywood-Kreuzverhörmanier wird von Anwalt Friedman ständig ins Wort gefallen, Fragen locker fünffach wiederholt und der gestrige Gast Roger Kusch wiederholt als Todesengel bezeichnet.

Und es ist toll. Studio Friedman ist glaubwürdiger als als Frank Plasbergs immergleiche "Wir hätten da mal eine Frage, Herr Soundso, weil wir sind nämlich so wahnsinnig kritisch."-Show und kommt vermutlich eher zum Punkt als die ganzen anderen öffentlich-rechtlichen Talkshows, die ich gar nicht mehr angucke. Weil mich ehrlich gesagt nicht interessiert, was irgend ein Tatortkommissar von dem Thema hält und Generalsekretäre, die ihr Parteiprogramm gern auch nochmal vortragen auch nicht so spannend sind.

In der Sache ging es gestern um den Fall der 79-jährigen Bettina Schardt, die von Roger Kusch Sterbehilfe erhalten hat, von ihm bei ihrem Selbstmord gefilmt worden war und um die Frage, ob und wenn unter welchen Umständen die Beihilfe Kuschs legitimierbar sei.

Als Roger Kusch zu diesem höchstsensiblen und für ihn sehr persönlichen Thema gerade zum streitlustigen Friedman eingeladen wurde, muss ihm als Jurist und Politiker (Kusch war Justizsenator in Hamburg) bewusst gewesen sein, auf was er sich einließ. Und um sein Handeln ihn ohnehin schon eine hitzige Debatte ausgelöst hat, so dass er gestern Abend sicher nicht unvorbereitet vor die Kameras trat. Sicherlich hatte er seine Argumente perfekt parat.

Und nichts weniger hätte gestern genügt, um nicht komplett in Friedmans unermüdlich anbrandenden Wogen aus Rhetorik und Polemik unterzugehen und es genügte nicht, um Kusch davor zu bewahren, dann und wann ziemlich kleinlaut dazustehen. Wobei man nicht genau zu sagen vermag, ob das einer überlegenen Argumentation seitens Friedmans zuzurechnen ist oder einfach der größeren Cleverness beim Überspielen eigener Unstimmigkeiten. So oder so schien Kusch regelrecht verlegen, als er auf die, Frage, wie oft er die alte Dame zu Gesprächen getroffen habe, ungewohnt leise "vier mal" antwortete.

Hier zwei weitere Treffer Friedmans, die mir besonders gut gefallen haben, aus dem dem Gedächtnisprotokoll:

Friedman: "Jeder hat mal einen schweren Lebensabschnitt, und später kann er sich nicht mehr daran erinnern, über Selbstmord nachgedacht zu haben. Wenn man ihnen im falschen Moment begegnet, hat man also echt die Arschkarte gezogen."


Friedman: "Sie wollen also Geld für Sterbehilfe verlangen?"

Kusch: Nein, Sie sind auch Anwalt, sie müssten auch wissen, dass es für Anwälte Gebührenverordnungen gibt. Ich verlange Gebühren für Rechtsbeistand.

Friedman: Rechtsbeistand wofür? Wie man rechtsfrei tot sein kann?


Über das Thema selbst kann man zweifelsohne geteilter Meinung sein und auch derartige Streitgespräche werden keine endgültige Klarheit über den moralischen Wert von Sterbehilfe schaffen können. Aber es wurde offen und parteiisch darüber diskutiert und der Zuschauer hatte den Eindruck, dass hier zwei Menschen eine eigene Position vertreten, Kusch vielleicht ein wenig aus Profilierungstrieb, Friedman vielleicht ein bisschen mit anwalttypischer professioneller Überzeugung exklusiv für die eigene Seite.
Vor der Kamera befanden sich zwei Menschen, und während den 30 Minuten Sendezeit konnte niemand um den heissen Brei reden, bis der Moderator es satt hat nachzufragen und einen anderen Gast aufruft, es gab kein Entrinnen, wie in einer römischen Arena.
Kein Wunder, dass die so populär waren. Das Prinzip funktioniert immer noch hervorragend.

Dienstag, 1. Juli 2008

Quiztaxi

Diese vorzügliche Satire über Deutschlands liebste Kreuzung aus mit Weihnachtsbeleuchtung versehenem Großstadttransportmittel und Guerilla-Ratesendung wurde von Frankie beigesteuert, der diesen und noch viele andere Texte auf seiner Satireplattform Frankies Satirewelt veröffentlicht hat.


„Wohin soll es gehen?“
Die füllige Frau in der ausgebeulten Jogginghose schaut fragend auf ihren Sohn.
Der stiert mit stumpfen Blick auf seine blechberingten Finger und grinst.
So rückt sie ihre beschlagene Brille zurecht und gibt selbst entschlossen Antwort.
„Zum Kölner Dom!“
Klingeling. Düdeldü! Täterätä! Willkommen im Quiztaxi!
Die Frau quietscht ungläubig auf und der Bengel erwacht aus seiner Lethargie.
„Ne, echt jetzt? Boh, Alder, voll geil, eh!“
Seine Begeisterung scheint reinsten Herzens zu sein.
Er streicht sich die fettigen Haare aus der Stirn.
„Haste gehört, Mudder, wir gewinnen jetzte richtig wat!“
In die Hände klatschend, lässt sie ein erfreutes „Supi!“ durch ihre vorstehenden Schneidezähne schlüpfen. Ihr Bauch wogt vor Begeisterung hin und her.
Erste Frage. In welcher Stadt steht der Eiffelturm?
Die Begeisterung des Jungen schlägt in Desinteresse um.
Muddern springt in die Bresche. Ihre Wurstfinger kneten nervös eine Einkaufstüte.
In Pisa, da ist sie sich sicher. Davon hat mal was in der Bildzeitung gestanden.
Die Stadt fängt zwar mit einem „P“ an, aber Pisa sei es nicht, so die kleine Hilfestellung des Moderators. Da Muddern keine weiteren Städte mit „P“ bekannt sind, greift sie zum Telefonjoker. Vaddern zu Hause auf dem Sofa ist da weltmännischer.
„In Paris, du blöde Kuh!“, gibt er bereitwillig Auskunft und setzt noch ein freundliches „Und sieh zu, dass du mit dem Kölsch hier antrabst!“ hinzu.
Die ersten 50 Euro stehen zu Buche.
Die Quizspieler liegen sich jubeln in den Armen.
Zweite Frage. Womit kocht man auf einem Campingplatz normalerweise das Essen?
Das ist die richtige Frage für den Junior. „Mit Dosen natürlich, weiß doch jeder. Nudeln in Tomate und so.“
Und womit macht man die warm?
„Mit dem Profangaskocher.“
Womit?
„PROFANGAS!“ Ob der Moderator was an den Ohren hat?
Scheiße, erstes Leben weg.
Dritte Frage. Von welchem Land heißt die Hauptstadt Wellington?
Betretenes Schweigen auf den Rücksitzen.
Kann ja nur Kanada oder Peru sein.
„Ja, ganz sicher Kanada oder Peru.
Jedenfalls in Afrika.“
Ja, was denn nun?
„Kanada“.
Sind Sie sicher?
„Ne“.
Dann noch mal überlegen!
„Hab keinen Plan. Nehm ich eben Neuseeland.“
Absolut logisch. 100 Euro!
Infernalisches Gekreische dringt nach vorn.
Vierte Frage. Welcher deutsche Dichter schrieb „Die Räuber?“
Mit der Literatur hat man es nicht so. Man verfügt aber doch noch über den Passantenjoker?
Das Taxi hält.
„Hallo, Sie da, kommen Sie mal her. Wer schrieb „Die Räuber?“
Die Passantin ist sichtlich verwirrt.
„Äh, ik nixe wisse von Räuber, bin rechtschaffendes Frau, musse gehen zur Arbeit, mache sauber in Büro, nixe Räuber!“
Der Moderator drängt auf eine Antwort. Man überlegt fieberhaft, schwankt zwischen Günter Grass und Günter Netzer. Auch Gerd Delling und Afred Hitchcock kommen zur Sprache. Wilhelm Busch, so die erlösende Antwort.
Schiller? War der das nicht mit dem Fausthandschuh? Enttäuschtes Augenverdrehen.Zweites Leben und Passantenjoker weg. Noch 200 Meter bis zum Ziel.
Letzte Frage. Jetzt gibt es was auf die Ohren.
„Eins, zwei, drei, vier Eckstein ... „ ertönt es aus den Lautsprechern.
In den Bengel kommt Leben, ein verzücktes Lächeln huscht über sein clerasilresistentes Gesicht. Er beginnt ekstatisch zu zucken und zeigt beim Mitsingen sowohl große Textsicherheit als auch fundierte mathematische Kenntnisse. Ja, da macht ihm so schnell keiner was vor, da ist er Experte!
„Fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn ...!“
Von wem ist wohl diese anmutige Weise?
Ein kurzes Stammeln, dann dringt ein „Umpf“ über seine gepiercten Lippen.
Richtig! Und schon ist das Ziel erreicht. 150 Euro wechseln den Besitzer.
Masterfrage? „Ne, dann is nacher alles weg!“
Der Moderator gratuliert und wischt sich verstohlen den Schweiß von seinem gequälten Lächeln.
Die glücklichen Gewinner ziehen jubelnd von dannen.
Sie hatten es schon immer gewusst.
Bildung zahlt sich irgendwann aus.

Montag, 23. Juni 2008

LeBron James' Affront gegen die chinesische Nationalwürde

Der populäre US-Basketballspieler LeBron James, oder besser ein Nike-Werbespot, in dem er zu sehen ist, hat es fertiggebracht, von der chinesischen Staatsbehörde für Radio, Film und Fernsehen verboten zu werden. Nun ist es nicht neu, dass in China die Medien zensiert werden, und überall auf der Welt werden Werbekampagnen etwa wegen missverständlichen oder sexistischen Motiven nicht zugelassen, aber dieser Fall ist doch besonders:

Teils real gefilmt, teils gezeichnet setzt sich der NBA-Star in dem wirklich hübsch gemachten Filmchen gegen Drachen, Geister und Kongfu-Meister durch, die ihn, jeweils ein Laster des Profibasketballs symbolisierend, vor dem Korb herausfordern.
Und genau da geht natürlich nicht an.
Schließlich ist die Behauptung, tradtionelle chinesische Sagenfiguren und Wahrzeichen wären Luschen im Streetball, ein "Affront gegen die chinesische Staatswürde".
Der Spot wurde nicht gesendet und Nike kam im Büßergewand mit einem Entschuldigungsschreiben in einigen chinesischen Zeitungen zu Kreuze gekrochen.

Gespannt darf man sein, wie tief die Empörung ausfällt, wenn bei den Olympischen Spielen nicht nur irgendwelche kitschigen Hirngespinste, sondern das chinesische Nationalteam abgewatscht wird.

Donnerstag, 19. Juni 2008

Schweizer TV-Sender vertut sich bei Deutscher Nationalhymne

Wie ARD und ZDF bietet auch der Schweizer Fernsehsender SRG (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft) während der Übertragung der Nationalhymnen vor den Europameisterschaftsspielen im Videotext einen Service an, der die gerade gespielte Hymne untertitelt.

Vor dem Spiel Deutschland gegen Österreich jedoch erschienen, wo eigentlich "Einigkeit und Recht und Freiheit..." zu lesen hätte sein sollen, die Worte "Deutschland, Deutschland über alles!" und auch die restliche erste Strophe des Deutschlandliedes von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, die seit ihrer Benutzung durch die Nationalsozialisten während des Dritten Reiches nicht mehr verwendet wird und der weniger expansiv klingenden dritten Strophe Platz machen musste.
Eine Entwicklung, die den zwei zuständigen jungen Redakteurinnen wohl entgangen sein musste, als sie die falschen Strophen (laut N24) von irgendeiner Website kopierten.

Erstaunlich dabei ist nicht zuletzt, dass die Recherche zu "Deutsche Nationalhymne" bei Wikipedia nur die korrekte dritte Strophe ergeben hätte und man also schon nach "Deutschlandlied" hätte suchen müssen, um derart fehlgeleitet zu werden.

Vermutlich muss man sich aber sowieso eher für diese ungewollt erzwungene Auffrischung des kollektiven Geschichtsbewusstseins bedanken.

Dienstag, 17. Juni 2008

Die Top 10 der Gründe, warum Galileo weggehört.

Das Zusammenschnippseln von alten Beiträgen zu grenzdebilen Top 7-Listen scheint von den Galileo-Redakteuren schon vor einiger Zeit zum Königsweg des Wissensjournalismus erkoren worden zu sein.

Wir schlagen sie mit den eigenen Waffen in unseren...

Top 10 der Gründe, warum Galileo weggehört.

[Man stelle sich zwischen den einzelnen Gründen jeweils eine grottenschlecht gemachte 3D-Animation vor.]

10. Der gnadenlose Qualitätsverfall. Auch wenn das aus heutiger Sicht kaum zu glauben ist, war Galileo einst eine helle Fackel des modernen Bildungsfernsehns in der stockfinsteren Nacht des Privatfernsehens. Tatsächlich erhielt Moderator Aiman Abdallah zusammen mit Produzentin Susanne Wiesner den Bayrischen Fernsehpreis 2001 für das noch junge Galileo. Sogar in der für eine Fernsehsendung beachtlichen Zeitspanne von sieben Jahren ist ein solcher Verlust sämtlichen Wertes und der kompletten Seriösität kaum zu fassen. Man hätte sich ein Ende mit Schrecken anstelle des Schreckens ohne Ende gewünscht, den Pro7 ja mittlerweile schon ganze 60 Minuten lang täglich verbreitet.

9. Futurama. Das im Vergleich zu den Simpsons ziemlich unverbrauchte Futurama gehört zurück in die Prime Time, somit wäre Ersatz für Galileo vorhanden. Und sogar Doktor Zoidberg hat mehr wissenschaftliche Kompetenz in seinem linken Schnauzententakel als man in einer Jahresstaffel Galileo finden wird.

8. Galileo Mystery. Gibt es Werwölfe? Nein. Gibt es echte "Mentalisten"? Nein. Kann man durch Hypnose Menschen geistig in ein früheres Leben zurückversetzen? Nein. Das alles sind Fragen, die einmal gestellt und beantwortet werden müssen. Man muss aber dazwischen keine vierzig Minuten kaputtschlagen indem man konspirativ durch mit ebenso konspirativ grünlich leuchtenden LCD-Bildschirmen vollgehängte fingierte Besprechungsräume schleicht und dort Besprechungen mit mutmaßlichen Mitgliedern der Internationalen Vereinigung der Gespensterseher und anderer Irrer nachstellt oder irgendwo in Frankreich nach Burgen sucht, die auf die Beschreibung "rund, mit dicken Mauern und nem großen Tor" passen. Das einzige Handfeste Ergebnis, das Abdallah und Konsorten meines Wissens nach zu Tage gefordert haben ist die "Entdeckung" des Grabes eines römischen Legionärs, der dem Namen nach das Kernchen Wahrheit in der Arthussage gewesen sein könnte. Das war in der ersten der bisher 45 Folgen.


7. Das Galileo Experiment. Inspiration ist das eine, aber aus der zur Tatzeit wirklich populären VIVA-Show (mittlerweile DMAX) Braniac einfach das komplette Konzept zu stehlen und mit einem kaum veränderten Logo (siehe rechts) und ans Identische grenzenden Experimenten als eigene Rubrik auszustrahlen macht einen merkwürdigen Eindruck.

6. CO2ntra. Gegen Engagement zum Einsparen von Kohlenstoffdioxid ist grundsätzlich nichts zu sagen, und wir schalten auch gerne jederzeit wieder das Licht für fünf Minuten aus, aber wenn Galileo den darauffolgenden Beitrag dann damit zubringt, Wohnwägen oder Vergleichbares in die Luft zu sprengen, hat der Pro7-Klimaschutz ein Glaubwürdigkeitsproblem.

5. Möpse und Ärsche. Mit der Zeit, die uns Galileo nun schon vergönnt ist, nimmt interessanterweise nicht nur das Niveau ab, sondern auch die Zahl der nicht ganz so jugendfreien Beiträge zu. Ausführliche Tests verschiedener Stringtangamodelle, Rankings der erotischsten Kleidungstücke, Studien über die subjektive Wahrnehmnung der Beinlänge beim Tragen von Hotpants oder Miniröcken im Vergleich oder Dokumentationen über Airbrushkunst auf weiblichen Körpern sind mittlerweile ein ebenso elementarer Bestandteil von Galileo wie ein gewisser Homer J. in der jeweils zuvor ausgestrahlten Sendung. Ein erschreckend plumpes Mittel gegen den Mangel an wissenschaftlichen Inhalten.

4. Jumbo Schreiner. Er sucht den weltgrößten Döner, die Weltgrößte Pizza, das weltgrößte Schnitzel. Die Folge über das weltgrößte zusammenhängende Stück Fleisch wird er sich sparen können. Während im Deutschen Bundestag Grabenkämpfe über das Für und Wider deutlicherer Inhaltskennzeichnungen auf Lebensmittelverpackungen ausgeochten werden und in Dafur Kinder verhungern, bringt dieser Ausnahmejournalist dem Durchschnittsdeutschen die existenzielle Erkenntnis näher, dass es immer eine noch größere Version eines Gerichtes gibt, die man sich auch noch irgendwie zwischen Kaffeetrinken und Abendessen reindrücken kann.

3. Lauthals polternde Schleichwerbung. Wie einst Die Sendung mit der Maus berichtet auch Galileo regelmäßig über die Produktion beliebter Alltagsgüter. Regelmäßig heißt im Fall Galileos so ziemlich in jedem zweiten Beitrag. Scheinheilig kündigt der Moderator noch "Einblicke in eine große deutsche Soundso-Firma" an, nur um dann im Beitrag deutlich erkennbare Verpackungen der jeweiligen Marke oder das Markenzeichen auf der Mütze des befragten Produktionsleiter zu zeigen. Dann wird auch gerne mal in der Fußgängerzone herumgefragt, ob die neuartigen fettarmen Chips wirklich von den herkömmlichen geschmacklich abfallen. Natürlich, O Wunder, tun sie das nicht.
Gerne wird auch die Einweisung neuer Arbeitskräfte in die hervorragend hygienischen und auf Äußerste auf frische bedachte Sandwichbelegungsabläufe in einer deutschen Sandwichkette, die Poster mit dem Aufdruck "Subway" im Restaurant hängen hat, begleitet. Interessant hierbei ist, dass laut Wikipedia nicht ganz so klangvolle Ingredienzien wie Konservierungsstoffe und genveränderte Zutaten in der Regel als "kleine Geheimnisse des Herstellers" unter den Teppich gekehrt würden. Auch aktuell diskutierte Aspekte wie Verbraucherschutz oder Gesundheitsgefahren würden ausgeblendet.
Und wer nach alldem noch nicht weiss, wem er seine Euronen abzutreten hat, der darf sich auch gerne noch den Gartengrilltest anschauen, bei dem eine markterschöpfende Anzahl von sage-und-schreibe drei verschiedenen Modellen getestet wird.

2. Top 7-Listen. Dieses merkwürdige Einspielerformat scheint aus Gründen, über die man nur mutmaßen kann, den Galileo-Redakteuren nicht nur in seiner Erbärmlichkeit zu entgehen, es macht mittlerweile sogar einen großen Teil der Beiträge in der Sendung aus. Vermutlich handelt es sich bei der Redaktion aber um einen Haufen derart abgestumpfter Existenzen, dass ihnen die Bequemlichkeit, die solche Beiträge bieten, ihre journalistische Würde mehr als wert ist. Deswegen bekommt man als Zuschauer dann die oft nicht mal logisch angeordnete und weit von Vollständigkeit und Sinnhaftigkeit entfernte Auflistung von dem, was grob unter ein bestimmtes Thema passt, schon von älteren Beiträgen im Archiv vorhanden ist und am besten noch nackte Körper beinhaltet. Abgetrennt wir das ganze von den immer gleichen lieblos hingeklatschten 3D-Animationen, so dass jeder holde Verdacht, die Herstellung des eben gesehenen habe womöglich mehr als 900 Sekunden in Anspruch genommen im frühesten Keim erstickt wird.

1. Die kinnladenentgleisende Sendung vom 18. Juni 2008, soweit es menschenmöglich war, sie anzugucken.
Um mit dem kleineren Übel zu beginnen: Im zweiten Beitrag wurde mal wieder gegrillt, wobei hauptsächlich Ausschnitte aus einen circa einen Monat alten Grillzubehörtest gezeigt wurden und Jever-Bier in die Kamera gehalten wurde. Aber das konnte nicht mehr so recht schrecken, nachdem zuerst mit die Top 7 der Fußballmythen folgende niemals zuvor angefochtenen Wahrheiten zerschmettert wurden:
Der Elfmeterpunkt ist elf Meter vom Tor entfernt. (Falsch: Von der Torlinie etwas weiter aussen ist er weiter entfernt.)

Das Ball ist rund. (Falsch: Wenn man auf ihn drauf tritt verformt er sich leicht.)

Das Spiel dauert 90 Minuten. (Falsch: Es gibt auch noch Nachspielzeit.)

Schiri wir wissen wo dein Auto steht! (Falsch: Galileo hat auf dem Parkplatz nachgeschaut, das Auto des Schiedsrichters war nicht zu identifizieren.)
Noch Fragen, anyone?

Montag, 16. Juni 2008

Hot or not? Die ersten vier "The Tudors"-Folgen

Heinrich VIII. von England hatte einiges, für das er der Nachwelt in Erinnerung geblieben ist. Zu nennen wären da zum Beispiel sechs aufeinanderfolgende Ehefrauen, eine selbstgegründete Konfession und, seinem Ruhm in den heutigen Tagen besonders zuträglich, seit kurzem auch eine eigene US-Fernsehserie. The Tudors (deutscher Titel: Die Tudors - Mätresse des Königs) läuft seit einem Jahr erfolgreich in den USA und seit zwei Wochen bei uns auf Pro7. Ich hab mir die ersten vier Folgen schonmal in der englischen Originalfassung zu Gemüte geführt, um den gemeinen Pro7-Schauer vor eventuellen intelektuellen Enthauptungen im vorhinein zu warnen.

Schon der erste Trailer auf Pro7 machte eigentlich einen ziemlich guten Eindruck. Wenn man gütig absieht von dem dämlich-reisserischen deutschen Titel (wenngleich selbiger das Mischverhältnis der Themen famliliäre Machtpolitik / Sex in der Serie ziemlich gut wiederspiegelt). Grammatikalisch schon mehr als fragwürdig - sinnvoll wäre eher "Die Tudors - Mätressen des Königs", ist er inhaltlich schlichtweg falsch. Die Tudors stellten die damalige königliche Familie und nicht die Mätressen.

Von diesen Unstimmigkeiten leicht irritiert springt einem sofort die, mit Ausnahme der etwas schwachen CGI-Schlösser, ungemein entschädigende visuelle Aufmachung ins Auge, denn The Tudors geht bei Kostümen und Requisite einen Weg abseits der abgelatschten Klischeedarstellung des Mittelalters à la Ritter aus Leidenschaft. Interessanterweise resultieren provisorisch Schlösser aus Holzgerüsten und Stofffassaden und Aufnahmen vom Hofstaat beim mitteralterlichen Hallentennis in einem unwillkürlichen Anstieg des gefühlten Realismusgrades. Überhaupt bewegt die Serie die Darstellung des Lebens am Hofe weg von der neuzeitlichen Idealvorstellung von langbärtigen Mittfünfzigern mit Hauptaugenmerk auf politischen Grundsatzentscheidungen hin zu einem verdammt glaubhaften Pack von Durchschnittsmenschen mit Eigeninteressen und einem König, der eigentlich nur entscheiden muss, wie sein Tagesablauf zwischen dem Deligieren von Aufgaben auf andere, dem reinen Zeitvertreib mittels Jagd, Sport, Festen und Hofdamen und schließlich dem aus seinem übergroßen Ego resuliterenden Geltungsdrang aufzuteilen ist. Wie ein roter Faden zieht sich das Erkenntnis durch die Story, dass zwar alles machen, was der König wünscht, er sich aber stets wünscht, was die anderen ihm enpfehlen.

Das vordergründige Geschehen hält sich bei Inanspruchnahme einiger künstlerischer Freiheit an die bekannten geschichtlichen Ereignisse, wobei Details (laut Wikipedia) angepasst wurden und die Chronologie der Ereignisse teils verschoben wurde, um in den Plot und die Logik der Serie zu passen, die zwischen den einzelnen Folgen den Abstand eines Jahres in der Geschichte vorsieht. Damit disqualifiert sich The Tudors als Grundlage für eine Geschichtshausarbeit, taugt aber gut als Einblick in die feudale Hofgesellschaft, wobei der gröbste historische Fehler das perfekte Aussehen sämlicher Charaktere sein dürfte. Die Unumgänglichkeit einer Anne Boleyn alias Nathalie Dormer zum Beispiel ist durchaus nachvollziehbar, was man von der historischen Person, wie sie auf Gemälden zu sehen ist, nicht in der Form behaupten kann.

Überhaupt sind die gute Anne und ihre Nebenbuhlerinnen ein essentieller Part der Sendung, und zwar auch ausserhalb ihrer historischen Rollen. Auf gut Deutsch wird ziemlich viel gevögelt, was ich trotz meines Interesses für seriöse Geschichte nicht unbedingt als Manko der Serie werten würde.

Genauso wenig zu meckern gibt es über die anderen Personen im Umfeld des Königs. Der nur opportunistische Berater Kardinal Wosley, dem jeder Verbündete auf seinem Weg zu Heiligen Stuhl recht ist, der idealistischer Lehrer, der bedauernd mit ansehen muss, wie seine humanistische Schule im Angesicht machtpolitischer Entscheidungen ein ums andere Mal von Heinrich in den Wind geschlagen wird oder der Botschafter Thomas Boleyn, der sich vorallem für die Verkupplung einer seiner Töchter mit dem Monarchen interessiert.

Diese Aspekte zusammen, der historische Plot um die irre Biografie eines nachvollziehbaren Heinrich VIII. mitsamt seines Umfelds und die geschickte Auskleidung der Episoden mit Intrigen, Bettgeschichten und Selbststudien der königlichen Psyche haben mich, zugegebenermaßen Mittelalterfan, die ersten vier Folgen The Tudors gut unterhalten und werden das bestimmt noch ein paar weitere Folgen lang tun. Mögen was Storytelling et cetera angeht auch echte Innovationen fehlen, dürfte das unverbrauchte Thema durchaus einen Blick wert sein.

Die Tudors - Mätresse des Königs läuft Samstags um 20:15 Uhr auf Pro7.

Als Rahmenprogramm empfehlen wir Medieval 2: Total War zu spielen und das Lied Viva la Vida von Coldplay dauerzuschleifen:

"I used to roll the dice
Feel the fear in my enemy's eyes
Listen as the crowd would sing:
'Now the old king is dead! Long live the king!'"


Max sagt: HOT!

Mittwoch, 11. Juni 2008

Moms gone Wild: Tokio Hotel



Taff kann man mögen oder nicht. Tokio Hotel kann man mögen oder nicht. Der Gegenstand dieser Story ist aber sowas von jenseits von Gut und Böse, dass die gewohnte Masche mit Ignorieren und Nicht-drüber-reden grob fahrlässig gegenüber jedem wäre, der gerne mal auf dem Boden liegend lacht oder wahlweise über den Zustand der Gesellschaft heult.
Ich bin mir bewusst, dass die Nummer hier fast schon zu irre ist um nicht gestellt zu sein. Sie lief zuerst bei RTLs "Mitten im Leben" (Zitat von Stefan Raab: "Könnte genauso gut auch 'Tief in der Scheisse' heissen"), wovon leider keine Aufzeichnung aufzutreiben ist, und danach bei taff auf Pro7. So oder so ist es vermutlich unter dem unfreiwillig unterhaltsamsten, das in letzter Zeit in Deutschland gesendet wurde. Enjoy.


Link: Die RTL-Story bei TV Total (Youtube)